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Ich fühle mich lebendig, wenn ich kreativ bin, ob malen, schreiben, Möbel restaurieren oder im Garten arbeiten. Ich liebe den Prozess, in dem Dinge entstehen dürfen.

Ich arbeite als Autorin, schreibe für Zeitschriften, organisiere Lesungen mit Musikern, führe Workshops für Schüler durch, spreche in Schulen, auf Frauentreffen, in Hospizvereinen, in Kirchen, Cafés und Bibliotheken über das, was das Leben wertvoll macht.

Doch das war nicht immer so … ich bin gelernte Ergotherapeutin und ich liebe auch diesen Beruf, der Kreativität, Handwerk und Medizin verbindet, der sich zwischen alten und jungen Menschen bewegt und eine Quelle an Begegnungen ist. Dieser Beruf ist ein Fenster zu bunten, erstaunlichen und faszinierenden Geschichten, denn was ist spannender als das echte Leben?

Wie alles begann

Ich bin 1976 in Frankfurt (Oder) geboren, als Jugendliche erlebte ich die letzten Atemzüge der DDR, die Enge eines diktatorischen Systems und die Freiheit eines zusammenwachsenden Deutschlands. Die Liebe führte mich nach München und als Frau eines Musikers lernte ich die seltsame Welt künstlerischer Menschen kennen und ihre Sorge um den perfekten Klang, den besten Harmonien und den originellsten Riffs. Romas tanzten und fidelten in unserem Wohnzimmer ohne eine Note zu kennen, ein Staubsaugerrohr wurde zum Didgeridoo, ein Musikerfreund passte mit seinem Instrument nicht in den Aufzug und schleppte seinen Kontrabass sechs Stockwerke hoch. Ich nannte ihn “Dicke Berta”, den Bass, nicht den Freund. Ob es ein weibliches Intsrument für den Künstler war mit den runden Formen und dem Timbre?

Der Bass trägt die hellen und hohen Töne eines Liedes, sowie die schweren Tage deines Lebens die leichten tragen.
— ein Bassist

Ohne die tiefen Töne hat ein Lied keine Substanz, selbst die traurigen Tage geben unserem Leben Tiefe. Ich hatte viele traurige Tage: eine Krebserkrankung, Tod meines Mannes Thomas, mit 31 Jahren war ich Witwe und musste mich um zwei Kleinkinder kümmern. Das war eine Zeit voller tiefer und schwerer Klängen und den Fragen: Was tue ich jetzt? Was kann ich? Wer bin ich ohne Thomas? Wovon möchte ich träumen? Leiste ich mir eine zweite Liebe?

Das Leben ist anders als gedacht, aber auch schön.

Dass ich das sagen kann, verdanke ich meiner Familie, meinen Eltern und Freunden und meinem zweiten Ehemann Alexander. Er gibt mir die Weite, dass ich ganz neue Dinge ausprobieren darf – studieren, schreiben, unterwegs sein. Es fühlt sich wie ein zweites Leben an und ich weiß, dass es Einen gibt, der das Leichte und Schwere in seinen himmlischen Händen hält.